Impfschutz bei Brustkrebs – welche Impfungen und wann?
Eine Krebsdiagnose heißt nicht, dass man auf Impfungen verzichten muss – im Gegenteil: „Menschen mit Krebs brauchen einen guten Impfschutz, weil sie anfälliger für Infektionen sind“. Infektionen können schwerer verlaufen und sogar geplante Therapien verzögern. Daher gilt: Totimpfstoffe – also Impfungen mit abgetöteten Erregern oder Bestandteilen – sind auch während einer Chemotherapie möglich und sicher. Sie könnten zwar weniger wirksam sein, weil das geschwächte Immunsystem weniger Antikörper bildet, aber ein teilweiser Schutz ist besser als keiner.
Lebendimpfstoffe (mit abgeschwächten, vermehrungsfähigen Erregern, z. B. MMR, Varizellen, Gelbfieber) dagegen darf man nicht verabreichen, solange das Immunsystem unterdrückt ist. Als Faustregel empfehlen Experten: Lebendimpfungen spätestens 4 Wochen vor Therapiebeginn, dann erst wieder ~6 Monate nach Ende der Chemo/Antikörpertherapie. Totimpfstoffe können notfalls auch während der Behandlung gegeben werden, besser aber in den 2 Wochen vor Therapiebeginn oder in Therapiepausen, um die Wirkung zu verbessern.
Typische Missverständnisse
Viele glauben, während Chemo dürfe man gar nicht impfen – das stimmt so nicht. Tatsächlich raten Ärztinnen sogar zu bestimmten Impfungen, etwa der jährlichen Grippeimpfung (optimal zwischen zwei Chemotherapiezyklen). Auch die COVID‐19-Impfung, Pneumokokken-, Hib- und Keuchhusten-Impfung werden empfohlen, da Infekte durch diese Erreger für Krebsbetroffene besonders gefährlich sein können.
Ein anderes Missverständnis: „Ich muss doch erst mein Immunsystem stärken, bevor ich impfe“. Richtig ist, dass Impfungen gerade bei Immunschwäche schützen sollen – „gerade immunschwache Patienten sind stärker gefährdet… es ist sehr wichtig, die empfohlenen Schutzimpfungen zu nutzen“. Wichtig ist auch, das Umfeld mitzuimpfen: Angehörige sollten aktuelle Impfungen haben (Grippe, Keuchhusten, Masern etc.), um Patienten durch Herdenschutz mit zu schützen.
Nach abgeschlossener Therapie holt man fehlende Grundimmunisierungen nach und frischt alles gemäß STIKO-Empfehlungen auf. Mit diesen Maßnahmen – inaktiv impfen was geht, lebende Erreger meiden – lässt sich das Infektionsrisiko senken, ohne die Krebsbehandlung zu gefährden. Wer unsicher ist, kann sich beim Krebsinformationsdienst beraten lassen oder mit dem Onkologen einen individuellen Impfplan abstimmen.
Stillen nach Strahlentherapie – was ist realistisch?
Viele junge Patientinnen fragen sich: Kann ich nach brusterhaltender Therapie mit Bestrahlung noch stillen? Die Antwort lautet: Prinzipiell ja, aber mit Einschränkungen. Moderne Strahlentherapie ist präzise, doch einige gesunde Zellen werden mitgeschädigt. Es kommt zu Umbauprozessen im Brustdrüsengewebe – Bindegewebe verhärtet (Fibrose), die Elastizität nimmt ab. Dadurch kann das Brustdrüsengewebe während einer späteren Schwangerschaft nicht mehr wie gewohnt wachsen, Milchgänge und Milchzellen entwickeln sich weniger. Faktisch ist „nach einer Strahlentherapie mit einer verminderten Milchproduktion auf der betroffenen Seite zu rechnen“. Studien beobachteten auch veränderte Milchzusammensetzung (weniger Fett, mehr Salz), sodass Babys die bestrahlte Brust wegen ungewohntem Geschmack manchmal verweigern. Außerdem wird die Haut und Brustwarze unelastischer, was dem Säugling das Ansaugen erschweren kann.
All das klingt ernüchternd, aber: Stillen ist in vielen Fällen dennoch möglich. Die unbestrahlte Brust bleibt in der Regel voll funktionsfähig und kann – bei konsequentem Anlegen – genug Milch für ein Baby produzieren. „Auch eine Brust allein kann ausreichend Milch für das Baby bilden“, solange man richtig managt. Etwa die Hälfte der Mütter schafft es laut Experten sogar, mit Einschränkungen auch an der behandelten Seite etwas zu stillen. Der Milchfluss dort wird vermutlich geringer sein, aber jede Menge zählt.
Wichtig ist, realistisch heranzugehen: Einseitiges Stillen (nur mit der gesunden Brust) ist absolut machbar und schadet dem Kind nicht. Man sollte jedoch das Gewicht des Säuglings gut beobachten und bei Bedarf zufüttern, falls die Milchmenge insgesamt nicht ausreicht. Medizinisch spricht nichts dagegen, ein Kind an der vorbehandelten Brust trinken zu lassen – „die Bestrahlung stellt kein gesundheitliches Risiko für das Kind dar“. Hauptproblem ist wirklich die reduzierte Menge. Daher empfehlen Fachleute: Bereits in der Schwangerschaft eine Stillberaterin einschalten, um einen individuellen Plan zu machen. Sie kann z. B. raten, direkt nach Geburt häufig anzulegen und evtl. zusätzlich abzupumpen, um die Milchbildung maximal anzuregen.
Fazit: Ja, Stillen nach Brustkrebs ist möglich! Viele Mütter stillen erfolgreich mit einer Brust, und einige sogar mit beiden (zumindest teilweise). Wichtig ist, sich darauf vorzubereiten, Geduld zu haben und im Zweifel Hilfe anzunehmen. Und noch ein Trost: Das Stillen selbst hat laut Studien keinen negativen Einfluss auf die Prognose der Mutter – „keine Hinweise, dass Stillen nach Brustkrebstherapie das Rückfallrisiko erhöht“. Im Gegenteil, Stillen ist gesund für Mutter und Kind. Es muss einem nur bewusst sein, dass die bestrahlte Seite eventuell eine geringere Rolle spielen wird. Mit guter Beratung und realistischen Erwartungen kann man auch diese Herausforderung meistern und die innigen Stillmomente genießen.