Brustwarzen aus Silikon – persönliche Erfahrung
Nach einer beidseitigen Mastektomie fühlen sich viele Frauen körperlich unvollständig. Eine Möglichkeit sind selbsthaftende Brustwarzen-Epithesen aus Silikon, die mit Hautkleber befestigt werden. Sie ermöglichen es, im Spiegel wieder ein natürlicheres Bild zu sehen. „Viele Frauen sagen, dass sie vorher den Krebs ‘noch sehen würden’. Die fehlende Brustwarze und die Narben erinnern sie ständig an ihre Erfahrungen“. Eine Epithese kann hier helfen: Beim ersten Blick mit angeklebter Brustwarze empfinden Betroffene oft Erleichterung und „fühlen sich endlich wieder frei(er)“, weil sie nicht mehr ständig an die Krankheit erinnert werden. Diese „Spiegel-Momente“ zeigen, dass Ästhetik kein bloßer Luxus ist, sondern Teil der Identität – sie hilft, sich nach dem Eingriff wieder „komplett“ zu fühlen.
Externe Brustprothesen – Lebensqualität stabilisieren
Wer auf einen chirurgischen Brustaufbau verzichtet oder bis zu einer Rekonstruktion wartet, nutzt häufig eine externe Silikon-Brustprothese (Epithese). Solche Prothesen gleichen in Form, Gewicht und Nachgiebigkeit einer echten Brust. Das ist wichtig, damit Kleidung wieder natürlich sitzt und keine einseitige Gewichtsbelastung Schäden verursacht. „Schon bei wenigen Gramm fehlendem Brustgewebe, das nicht ausgeglichen wird, können Haltungsschäden entstehen“ warnt eine Fachberaterin. Die Prothese wird meist in einen Spezial-BH mit eingenähter Tasche eingelegt; es gibt auch selbsthaftende Modelle für direkten Hautkontakt. Von der Krankenkasse werden diese Hilfsmittel als medizinischer Bedarf anerkannt: alle zwei Jahre hat eine Patientin Anspruch auf eine neue Epithese und zwei neue Prothesen-BHs pro Jahr. „Sich wieder schön fühlen zu können, ist nach einer schwierigen Zeit für viele ein großer Gewinn an Lebensqualität“ – denn mit einer gut angepassten Epithese sieht niemand den Frauen ihre Erkrankung mehr an.
Gleichzeitig berichtet eine Betroffene, dass einfache Haftepithesen auch Nachteile haben: Einmal lugte die Silikonbrust aus der Bluse, ein Kind rief „Ihgitt, was hast du denn da?“ – eine verletzende Erfahrung. Solche Situationen zeigen, warum viele Frauen schließlich doch einen festen Brustaufbau oder andere Lösungen anstreben, um Normalität zurückzugewinnen.
Tätowierte Brustwarzen – zurück zur Normalität
Eine immer beliebtere Option ist die 3D-Tätowierung einer Brustwarze (Mamillenpigmentierung). Spezialisierte Tätowierer können äußerst realistische Areolae tätowieren, die dem ursprünglichen Aussehen täuschend ähnlich sehen. „Ich war extrem überrascht, wie echt die Brustwarze aussieht – die Reaktionen reichen von Umarmungen bis zu Freudentränen“ berichtet ein Experte über die Reaktionen seiner Kundinnen. Voraussetzung dafür ist Erfahrung: Vernarbtes oder bestrahltes Gewebe tätowieren erfordert spezielles Können und Farben, denn veränderte Haut „verschluckt“ mitunter Pigmente. Qualifizierte Tätowierer erkennen: Sie haben jahrelange Erfahrung in Mamillen-3D-Tattoos und arbeiten oft mit Kliniken zusammen. Wichtig ist auch Geduld: Eine Mamille darf erst ca. 6 Monate nach der letzten Behandlung tätowiert werden, wenn Narben gut verheilt sind.
Ist das erfüllt, sind Risiken gering – hochwertige, sterile Materialien und Hygiene vorausgesetzt. Viele Frauen erleben das Tattoo als finalen Schritt, der den Krebs „hinter sich gebracht“ sichtbar macht. Die Kosten für eine beidseitige Mamillen-Tätowierung liegen bei rund 1.600–2.000 €. Eine pauschale Kassenleistung ist es zwar noch nicht, doch: „Mittlerweile übernehmen etwa 60 % der Krankenkassen die Rekonstruktion vollständig und 20 % anteilig“, da es als medizinisch-psychologisch hilfreiche Behandlung anerkannt wird. Für nicht Übernommenes gibt es Initiativen wie #wiederganzich, die jährlich einigen Frauen ein kostenloses Tattoo ermöglichen. Das Endergebnis – ob durch Tattoo, Prothese oder beides – trägt maßgeblich dazu bei, dass Brustkrebspatientinnen sich wieder „als Frau fühlen und nicht länger automatisch an die Krankheit erinnert werden“. So wird deutlich: Äußere Ästhetik ist keine Eitelkeit, sondern ein wichtiger Schlüssel zurück zu Selbstwert und Normalität.